LipoClinic

Ich habe ein Lipödem – habe ich auch schon ein Lymphödem?

September 4, 2018 9:44 am Published by

Immer wieder lese ich in den Internet-Foren: “Morgen frage ich den
Arzt, ob ich schon ein Lymphödem habe.” Das klingt so, als würde es sich
dabei um einen schicksalhaften Wendepunkt im Verlauf der
Lipödem-Erkrankung handeln.

Jedes Lipödem, das Beschwerden macht, hat ein Lymphödem!

Einschränkend muss ich hier erwähnen, dass wir noch viel zu wenig
über die tatsächlichen Zusammenhänge wissen und das “Lymphödem” auch
nicht beweisen können. Das “Erklärungsmodell” ist aus meiner Sicht aber
in sich logisch – Sie werden sehen!

Am Anfang der Erkrankung fallen nur die zunehmend dicker werdenden
Beine und Arme auf. Selbstversuche mit Diät und mehr Bewegung bleiben
erfolglos. Erst deutlich später – manchmal erst nach Jahren – zeigen
sich erste Beschwerden in Form von “Schweregefühl” und “Ermüdung” in den
Beinen; zum Beispiel beim Treppensteigen.

Dieser Moment ist für mich der Anfang des Lymphödems!

Die natürliche Zirkulation der Lymphe wird durch das dichter werdende
Fettgewebe behindert, die Beine schwellen an, drohen bald zu platzen
und machen schließlich schon den Gedanken an Bewegung zum Alptraum.

In der Folge wird durch die eingeschränkte Mobilität die
Lebensqualität immer schlechter. In jungen Jahren kommen Sorgen auf, wie
lange ein Beruf in sitzender oder stehender Zwangshaltung wohl noch
machbar ist. Der Bewegungsdrang der eigenen Kinder bringt Sie täglich an
Ihre Grenzen. Das ist anfangs deprimierend und schlägt bald in
Frustration um. Die Freude auf einen warmen Sommer wird getrübt, da die
Schwellungen dann extrem werden. Stauungsschmerzen zwingen dazu,
geliebte Sportarten aufzugeben und man landet schließlich bei der
Aquagymnastik- das kurze Wohlgefühl von Schwerelosigkeit.

Viele suchen erst wegen der anhaltenden Schmerzen den Rat bei ihrem
Arzt. Hat dieser vielleicht schon vom Lipödem gehört, wird er es bei
Ihnen möglicherweise erkennen. “Da kann man leider nichts machen – ist
ja nur Fett und Sie müssen damit leben. Nein, Wasser haben Sie nicht in
den Beinen.” Glaubt er, da mit dem Finger keine Delle in die Haut zu
drücken ist. “Eine Kompressionshose oder gar Lymphdrainage
aufzuschreiben, wäre völlig nutzlos.” Das wars dann oft schon.

Die Lymphe staut sich aber “tiefer” im Gewebe und eine Delle auf
Fingerdruck entsteht fast nie. Die Stauung – insbesondere in den Waden
und Fesseln – ist aber mit einiger Erfahrung förmlich zu spüren. Die
Haut ist gespannt und glänzend, sie ist gereizt und schmerzt auf Druck.
Eine Untersuchung mit Ultraschall ist hier meist nutzlos.

Haben Sie auch schon bemerkt, dass Sie auf andere gar nicht so schwer
wirken, wie Ihnen die Waage anzeigt? Dahinter steckt die Lymphe, die in
großer Menge im Fettgewebe sitzt.

Unbehandelt verändert sich das Hautgewebe der Waden unter dem Druck
der Flüssigkeit in seiner Struktur und führt zu schmerzhaften
Verklebungen. Eine Operation zu diesem Zeitpunkt kann zu hartnäckigen
und schwer zu behandelnden Stauungen führen!

Bei der Diagnosestellung gehört die Verordnung von flachgestrickten Kompressionsstrümpfen zum Pflichtprogramm!

Dieses Strick-Gewebe “massiert” unter der täglichen Bewegung in
erstaunlich wirkungsvoller Weise die Haut. Dieser Effekt ist besonders
deutlich bei meinen operierten Patientinnen zu beobachten. Bereits eine
Woche nach OP sind Blutergüsse fast weg und Beine viel schlanker als bei
Patientinnen, die nur mit Panty oder rundgestrickten Strümpfen versorgt
waren und lediglich zur manuellen Lymphdrainage gegangen sind.

Eines ist aber ganz klar: Lymphdrainage und Kompressionsbestrumpfung
wirken nur lindernd auf die Beschwerden und Schmerzen, die durch das
Lymphödem ausgelöst werden. Diese Maßnahmen helfen in keiner Weise gegen
die eigentliche Erkrankung – nämlich das Lipödem!

Das Lipödem als Auslöser für den Lymphstau kann allein durch eine
operative Reduzierung des krankhaften Fettgewebes behandelt werden.

Auf die konsequente und lebenslange Anwendung entstauender Maßnahmen
zu verweisen – wie es die Krankenkassen tun – wird dem Leid der
betroffenen Frauen nicht gerecht und entspricht auch nicht dem heutigen
Stand der Medizin.

Das Wissen über diese Zusammenhänge zu verbreiten sehe ich als eine wichtige Aufgabe an.